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Erstausgabe: Erschienen bei Druckhaus Galrev, Berlin, 1999, ISBN 3-9101619-3-6 Über dieses Buch: Schlesaks neuer Gedichtband hält sich in der Nachfolge von Ernst Meister und Celan, an ein Jenseits der Opfer- und "Totengespräche", versucht alles, auch die neue Grenze und was sich überall als neue "Wirklichkeit" und ihre innere und äußere Mauer aufdrängt, aufzubrechen: "Nichts ist so wie es ist." "Nichts ist wirklich.", weder angesichts der Zukunft, noch vor allem angesichts des Todes. Die Gedichte bewegen sich an den Rändern des großen Geheimnisses, das auszuhalten ist nur mit Hilfe des anderen großen Themas dieses Bandes: der Liebe, die aber in die gleiche Richtung der Unwirklichkeit der realen Welt weist. Es bleibt wie vor '89 auch, damals allerdings als Drohung faß- und sichtbar, der Grenzstreifen des Niemandslandes als einziger Zugang und realer Ort jenseits aller Vortäuschungen. Er hat jetzt andere Werte angenommen und erscheint nur verborgen, vorerst im Medium der Träume und des Gedichts. Der Unterschied heute: alles ist erschreckend offen! |
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Es geht zu Ende was bisher war, und die Stimmen sind fern wie morgens um fünf, wir werden uns nie mehr wiedersehn, wir werden vergessen. Man sieht´s an der Luft, an den Augen der Leute, überall rollen sie die Erinnerungen ein, heut sah ich Fotos der siebziger Jahre, da waren wir jung und alles schien offen, du stiegst in den fahrenden Zug, der kam nie an, und fuhr ab nur zum Schein. Alt sind unsere Gefühle geworden. Und oft ist es kalt und du spürst nur Gewohnheit, als wäre über den Augen ein Schleier, und wir gehen mit Abwesendem um. In allem spür ich schon das Vergessen, und die Leute sehn mich gar nicht mehr an, so denk ich: vielleicht bin ich plötzlich gestorben und hab´s nicht bemerkt, bin unsichtbar geworden. Es ist nicht nur die Liebe die jetzt vergeht, es ist nicht nur Eiszeit der Sinne, es liegt, ein Stillstand um uns in der Luft, der uns Angst macht und uns den Atem verschlägt. Denn es geht zu Ende was bisher war, und die Stimmen sind fern wie morgens um fünf, wir werden uns nicht mehr wiedersehn, und wir werden vergessen am Leben zu sein. |