Zur Person

Dieter Schlesak wurde in Schäßburg/Transsylvanien, Rumänien geboren. Er ist Lyriker, Essayist, Romancier, Publizist und Übersetzer, Diplomgermanist, Lehrer und Literaturredakteur. 1969 Übersiedlung in die Bundesrepublik. Lebt seit 1973 in Italien/Toskana, Provinz Lucca. Und in Stuttgart. Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums und des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland (London), Der Kogge und des VS.

Zahlreiche Preise und Stipendien. Zuletzt für das Gesamtwerk die Ehrengabe der Schillerstiftung/Weimar 2001. 2005 Ehrendoktor der Universität Bukarest. Schlesak beschäftigt sich mit Meditation und Psychiatrie (1975 erschien sein Buch "Sozialisation der Ausgeschlossenen" bei Rowohlt; 1978 auch holländisch in Amsterdam). Er schreibt Lyrik, zuletzt: "Lippe Lust. Poesia erotica"; Weiße Gegend, Gedichte, Lyrik-Edition 2000, Hrsg. Heinz Ludwig Arnold, München 2000; LOS. Reisegedichte, München 2002; Herbst Zeit Lose, Liebesgedichte; alle vier Bände bei: Buch&medi@ GmbH, München; Sette volte sete. Grenzen Los. Oltre limite. Hrsg. Stefano Busellato. Lyrik-Werkauswahl italienisch-deutsch, Edizioni ETS, Pisa 2006. Essays und Prosa: Bildmeditationen in: ”Das Neue Licht Michelangelos”, Kunstdruckdokumentation der renovierten Sixtinischen Kapelle, 3 Bde. 1989-1991; Există o viaţă după moarte, Bucureşti 2001. Romane: 1986: ”Vaterlandstage” (1995 rumänisch: ”Zile acasã”); Der Verweser. Roman, Allitera Verlag, München 2002. Eine Transsylvanische Reise, EDITION KÖLN, Köln 2004, Romans Netz, Roman, EDITION KÖLN, Köln 2004.

Essays über Literatur, Grenzphänomene und Religion. Hörspiele und andere Arbeiten für das Radio (vor allem über psychiatrische Kliniken, Patientenkunst, über Medi­tation.) Historisch schließt an Vaterlandstage der Essayband Wenn die Dinge aus dem Namen fallen (1991) an, der die „enteignete“ Revolution von 1989 untersucht (rumänisch: Revolta morţilor, Bukarest 1998, italienisch: Bandiere bucate, Bergamo, 1997) gefolgt von dem synoptischen Journal Stehendes Ich in laufender Zeit (1994), das den europäischen Nach-Wende-Geist bis 1993 kritisch ausleuchtet; Zeuge an der Grenze unserer Vorstellung, Porträts, Studien und Essays, München 2005; Übersetzer- und Herausgebertätigkeit. Essays über rumänische Literatur und Philosophie; zuletzt Nichita Stãnescu: Elf Elegien, Übersetzung und Nachwort: Metapoesie der roten Zeit, Ludwigsburg 2005, Gefährliche Serpentinen, Rumänische Lyrik der Gegenwart, 1998.

Stimmen der Kritik

Hier ist, um mit Musil zu reden, nicht nur eine neue Seele da, sondern auch der dazugehoerige Stil. Das vitale Sprach- und Erfahrungsmaterial ist in großraeumige Rhythmen uebersetzt, die in der Ferne die Zentnerschwere einer lyrischen Tradition von Gryphius bis Guenter und Klopstock ahnen lassen, bei denen die Form gerade noch die alles sprengende Erfahrung fasst... Man moechte auf die formale und sprachliche Kunstleistung hinweisen, auf die Vielfalt der Themen - und koennte doch nur sagen: Ecce Poeta. Viele dieser Gedichte lassen den Leser nicht los, sie greifen seine Erfahrung, sein Bewußtsein an. (Walter Hinderer, Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Die Ausführungen von Dieter Schlesak haben den Vorzug der Klarheit. Was bei Heiner Müller bisher dunkel "deutsches Verhängnis", "Kolonisation" oder "Überfremdung, bei Volker Braun locker "das nicht Nennenswerte" hieß und von Christa Wolf als "dunkle wilde Jagd" bedichtet wird ... ist hier plötzlich deutlich." (Iris Radisch, DIE ZEIT)

Sein Ich ist sich des Zeitsprungs gewiß, sein Ich warnt den Leser vor allzu großen Erwartungen ... Die enge Verbindung von gegenwärtigem Geschehen, das das Bewußtsein noch nicht aufnehmen kann, und einer eben abgelaufenen Vergangenheit, die als Traumsequenz in eine Zukunft reicht, in welcher alles erst entwickelt wird, was im Präsens zu schnell vorüberjagt - ist der Übergang, in dem das Schlesaksche Ich stehengeblieben ist, um in der Fülle des Augenblicks seine vielschichtigen Beobachtungen machen zu können. Es wählt den quälenden Weg der Offenlegung von Wunden im Zeitbewußtsein am Ende des 20. Jahrhunderts. (Wolfgang Schlott, Kommune 2)